Die Geschichte der SAC-Rettungsstation Kerns

Einleitung
1956 entschlossen sich ca. 12 mutige Männer vom Ski- und Bergklub Kerns sich an einer 3-tägigen Suchaktion am Wellhorn im Berner Oberland zu beteiligen. Man suchte einen verunglückten, einheimischen Bergsteiger. Kurz nach dieser Aktion wurde beschlossen, eine Rettungsgruppe zu bilden. Unter der Leitung von Bucher Werner (Poli Werni) wurden in den folgenden Jahren Übungen abgehalten und es musste zu mehreren Einsätzen ausgerückt werden. Zuerst hantierte man noch mit privatem Material und Feuerwehrhelmen, später erhielt man Rettungsmaterial vom SAC. (z.B. Stahlseilgerät) Die Rettungsgruppe gliederte sich später als Untergruppe der Rettungsstation Meiringen (SAC Oberhasli) an. Im Laufe der Jahre knüpfte der damalige Gemeindeschreiber von Kerns Kontakte mit dem Unternehmer Walter Schönauer. Die Firma Heli Trans gründete eine Helibasis in Kerns. Mit dem Namen Alp Air flog man mit diesem Helikopter Rettungseinsätze. Unter der technischen Leitung von Roby von Deschwanden wurde der Einsatz mit dem Helikopter und die medizinische Grundversorgung immer wieder geübt. Etliche Ernstfalleinsätze wurden mit Hilfe des Helikopters durchgeführt. Leider endete die Zusammenarbeit mit der Alp Air schon nach wenigen Jahren weil die Firma finanzielle Probleme bekam. So wich man auf die Helikopter der Air Glacier und der damals aufkommenden Schweizerischen Rettungsflugwacht aus.

 

Verein SAC Rettungsstation Kerns
1982 wurde anlässlich einer Zusammenkunft von mittlerweile 44 Rettern der Grundsatzentscheid getroffen, die Rettungsstation im Rahmen der Reglemente des SAC, in der Form eines Vereines weiterzuführen. So konnte man den anfallenden administrativen Aufwand besser bewältigen. Bald ist es also 50 Jahre her, als die ersten Rettungen durchgeführt wurden und 25 Jahre sind es her, als der Verein gegründet wurde.
Der Verein zählt heute 60 Aktivmitglieder (Retter) und mehr als 90 Passivmitglieder, die den Verein finanziell unterstützen. Bei den Rettern handelt es sich um berufstätige Frauen und Männer, die an ihren Arbeitsstellen für Einsätze kurzfristig abrufbereit sind. Sie sind über das ganze Kantonsgebiet verteilt. Der Vorstand besteht aus höchstens 10 Personen. Er ist zuständig für die administrative Führung des Vereins, die Ausbildung des Rettungspersonals, die Führung des Materialmagazins, Erledigung der finanziellen Angelegenheiten, die Vertretung der Rettungsstation Kerns nach innen und aussen und die Durchführung und Leitung von Rettungseinsätzen. Unsere Rettungsstation erledigt ca. 12 Ernstfalleinsätze pro Jahr. Die Alarmierung erfolgt über die Einsatzzentrale der REGA (1414) oder direkt über die Kantonspolizei Obwalden. (117)
Die SAC Rettung Schweiz ist auf 3 Stufen aufgeteilt. Dem Zentralkomitee unterstehen schweizweit 10 Rettungszonen. In diesen Zonen arbeiten ca. 100 Rettungsstationen. Die SAC Rettungsstation Kerns unterliegt der Zone 5. Diese unterhält Rettungsstationen in den Kantonen Uri, Schwyz, Luzern, Nidwalden und Obwalden. In Obwalden gibt es zwei Rettungsstationen, nämlich die Rettungsstation Engelberg (zuständig für das Gemeindegebiet Engelberg) und die Rettungsstation Kerns (zuständig für das ganze Sarneraatal, sechs Gemeinden). Die Zonen sind jeweils für die Ausbildung vom Kader der Rettungsstationen zuständig. Diese geben den Lehrstoff in ihrer Station an die Retter weiter. Immer neue Betätigungsfelder in der freien Natur und der boomende Geschäft mit dem Adrenalinkick erfordern ständig neue Rettungstechniken und damit auch mehr Übungen.

 

Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Obwalden
Die Idee bei der Gründung der Rettergruppe anno 1956 und auch bei der Vereinsgründung 1982 war, anderen Bergsteigern, die man kannte in Notlagen zu helfen. Später führte man Rettungen für die Mitglieder des SAC (Schweizerischer Alpenklub) durch. Heute sind die zu Rettenden zum grössten Teil Touristen aus dem In- oder Ausland. Die wenigsten davon sind Mitglieder vom SAC. Viele davon sind auch schlecht versichert, so dass es Probleme beim Begleichen der Rettungskosten gibt.
Die SAC Rettung Schweiz hat finanzielle Schwierigkeiten. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Einsätze Einnahmen bringen und Übungen Kosten verursachen. Der Grund für die roten Zahlen ist aber nicht ein Rückgang der Einsätze sondern es liegt an den Einsatzarten. Sie werden immer kürzer, brauchen weniger Personal und zum Wohle des Patienten wird wann immer möglich mit dem Helikopter geflogen. Das bedeutet weniger Einnahmen in den Rettungsstation und dadurch mehr Kosten für die Rettungszonen. Alle Übungen und die ständige Einsatzbereitschaft wird von niemandem vergütet. Alle Angehörigen unserer Rettungsstation arbeiten ehrenamtlich. Teilnahmen an Kursen und Übungen werden nicht entschädigt. Auch die ganze administrative Arbeit unter dem Jahr machen die Mitglieder ohne Entschädigung. Einzig die Einsätze werden nach den Tarifen des SAC entschädigt.
Wegen den oben beschriebenen finanziellen Problemen ging der SAC in den vergangenen Jahren mehrere Kantone an, um mit ihnen eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen. Seit dem 1. Januar 2003 ist das Rettungswesen im Kanton Obwalden politisch mit einer Leistungsvereinbarung zwischen der Regierung und dem SAC schriftlich festgehalten. Darin werden Aufgaben wie die Suche, Rettung und Bergung von verunglückten Personen im unwegsamen Gelände des ganzen Kantons Obwalden der Rettungsstation Kerns und Engelberg übertragen. Damit diese Leistungsvereinbarung erfüllt werden kann, finden pro Jahr innerhalb der Rettungsstation ca. 8 Rettungsübungen in den Sparten Medizin, Seilhandhabung, improvisierte- und organisierte Rettung, Materialkunde und Lawinenrettung statt.
Die Leistungsvereinbarung basiert auf das Staatsverwaltungsgesetz und das Gesetz über die Kantonspolizei. Es wird darin insbesondere geregelt wer Vertragspartner ist, welche Leistungen der Kanton bringt, was die Rettungsstation leisten muss, wie der SAC mit dem Kanton und mit der REGA zusammenarbeitet und wie die Finanzierung abläuft.

 

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